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10–06–2013

New Media


Woran erkennt man guten Web-Content?

Die Online-Quoten sind bekannt: Man kennt die Page Impressions, Visits und Unique User; man hat Follower auf Twitter im Blick und schaut in die Facebook-Statistiken. Eine Frage aber bleibt: Was kommt inhaltlich bei Ihren Nutzern an? Konnten Botschaften tatsächlich vermittelt werden, oder ärgern sich die User über unverständliche, unauffindbare oder unpräzise Inhalte?

 

Dahinter steckt die Frage nach der journalistischen Qualität. Als praxistauglich erwies sich das Vier-Dimensionen-Modell da es mit Hilfe dieses Modells gelingt, Qualität zu operationalisieren, also die Qualität journalistischer Texte zu messen, zu berechnen und zu vergleichen. Die Qualitäts-Dimensionen lauten: Aktualität, Richtigkeit, Relevanz und Vermittlung. Jeder dieser Dimensionen ist ein Bündel an Qualitätskriterien zugeordnet.

 

  • Aktualität meint: Ein Beitrag ist entweder tatsächlich aktuell, weil er die neuesten und gültigen Informationen zu einem Ereignis oder Thema bringt – oder er ist latent aktuell, weil er ein Thema behandelt, das gerade wieder bzw. immer noch nachgefragt wird.

 

  • Richtigkeit meint, dass alle Fakten korrekt sind und der Text vollständig ist: Er enthält alle zum Verständnis nötigen Informationen, die Informationen wurden nicht aus dem Zusammenhang gerissen oder Fakten wurden manipulativ verschwiegen, fremde Quellen sind angegeben.

 

  • Relevanz heißt: Ein oder mehrere journalistische Nachrichtenfaktoren sind erfüllt. Nachrichtenfaktoren sind Kriterien, die es wahrscheinlicher machen, dass eine Nachricht in den Medien nach oben rückt bzw. überhaupt veröffentlicht wird. So hat ein Ereignis größere Chancen, veröffentlicht zu werden, wenn es eine Nähe zur Zielgruppe gibt, wenn es möglichst Viele betrifft.  Oder wenn es die menschliche Neugier weckt – über Stars und Sensationen, Liebe und Leid, Katastrophen, Klatsch und Kurioses lesen wir nun einmal gern.

 

  • Vermittlung ist die angemessene Art der Darstellung – angemessen für die Zielgruppe und bestmöglich angepasst auf das Medium. Für alle Seiten und Angebote gilt: Sie müssen verständlich sein. Man darf die Seite oder Angebote darauf nicht unnötig suchen müssen.

 

In der Internet-Kommunikation gibt es neben den journalistischen Qualitäts-Dimensionen, der Aktualität, Richtigkeit, Relevanz und Vermittlung eine weitere Währung, und die lautet: Anregung zur Kommunikation. Ob ein Video zum Web-Hit wird, entscheiden die Nutzer nicht mit Klicks, sondern auch über ihr Kommunikationsverhalten. Bei der Anregung zur Kommunikation geht es zum einen um Kommunikation mit dem Urheber – Nutzer wollen Feedback geben und erwarten, dass in angemessener Zeit reagiert wird. Zweitens geht es um Kommunikation mit anderen Nutzern: User möchten über die Inhalte kommunizieren, sie also z.B. bewerten und kommentieren, und sie möchten durch diese Inhalte kommunizieren – sie also weiterverbreiten, mit anderen teilen. Und drittens geht es um Anschlusskommunikation im Real Life.

 

Diese fünf Dimensionen müssen je nach Angebot, Medium und Kommunikations-Tool austariert und gewichtet werden. So ist die „Anregung zur Kommunikation“ für Content auf Facebook neben der Vermittlung das wichtigste Qualitätsmerkmal, während für Tweets die Dimensionen Richtigkeit und Aktualität wichtiger sind. Unternehmenswebseiten, die überwiegend darauf abzielen, das eigene Portfolio darzustellen, sollten vor allem auf Richtigkeit, Vermittlung und Aktualität abheben.

 

Die Gewichtung der Qualitäts-Dimensionen ist auch eine strategische und konzeptionelle Entscheidung. Eine Entscheidung, die entlang von vier Fragen entschieden werden muss: Welche Art Information will ich vermitteln? Was will ich bei den Nutzern erreichen? Welche Beziehung will ich zu ihnen aufbauen? Und wie will ich selbst wirken?

(Quelle: Bernd Weber, www.wuv.de)