Prizovsky&
Partner
Decision&
Communication
Intelligence
22–06–2013

Megatrend Gesundheit


Dr. Internet: „Nocebo-Effekt“ und „Cyberchonder“

Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran. Veränderte Welten, die ein Umdenken fordern – nicht zuletzt auch im Gesundheitssystem. Das Zukunftsinstitut hat dazu in seiner Megatrend Dokumentation 2013, interessante Aspekte veröffentlicht. Auch die Kehrseite dieser speziellen Informationsflut lässt nicht lange auf sich warten und wurde u.a. von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Studie belegt: der so genannte „Nocebo-Effekt“ greift um sich…

 

Aber der Reihe nach. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker war gestern – schnell mal googeln lautet die Devise heute. So haben 2011 bereits 54 Prozent der Deutschen das Internet genutzt, um sich gesundheitsrelevante Informationen zu beschaffen – 2006 waren es im Vergleich dazu nur 34 Prozent (vgl. Zukunftsinstitut, Megatrend Dokumentation Gesundheit, Dezember 2012). Patienten werden demnach immer informierter und kritischer. Das einst vorherrschende asymmetrische Machtverhältnis zwischen Arzt und Patient beginnt zu bröckeln. Der Patient wird zum anspruchsvollen Gesprächspartner. Das Netz ist ein medizinischer Ratgeber, in dem es vor Informationen zu Gesundheitszuständen und Krankheitsbildern nur so wimmelt. Egal ob durch Websites, Foren oder Apps – der neue Umgang mit Gesundheitsfragen im digitalen Zeitalter schafft zweifelsohne Empowerment und Partizipationsmöglichkeiten. Oder anders formuliert: die recherchierte Selbst-Diagnose verändert die Erwartungshaltung der Patienten an das „Versorger-System“.

 

Vom „Nocebo-Effekt“ bis hin zum „Cyberchonder“
Doch kein Vorteil ohne Nachteil, wie es so schön heißt und so sind auch die negativen Folgeerscheinungen der ergoogelten Symptomsuche bereits belegt: Eine aktuelle Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz belegt, dass allein die Erwartung einer Schädigung demnach tatsächlich Schmerzen oder Beschwerden auslösen kann – ähnlich dem Placebo-Effekt – und spricht vom so genannten „Nocebo-Effekt“. Das Zukunftsinstitut beschreibt dieses Phänomen als „Cyberchonder“, demzufolge sich Personen aufgrund von Fehlinformationen oder vagen Krankheitsbeschreibungen in unnötige Ängste hineinsteigern.
Zukunftsinstitut